TV Büttgen-Vorst - Soldatengrab
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Das Soldatengrab in Vorst

Abschrift der Urkunde

Am Ende der Wattmannstraße/Schiefbahner Straße, am Rande des Dorfes, nicht weit vom Büttger Wald, unter einer Baumgruppe in der Nähe der Häuser Nr. 7 und 9. an der Stelle, wo von der Wattmannstraße/Schiefbahner Straße ein Feldweg nach rechts abzweigt zu den Grundstücken Nr. E, steht seit langen Zeiten ein Flurkreuz, von frommer Hand errichtet. Eine Urkunde beim Kreuz hat folgenden Wortlaut:


Über die Geschichte dieses Kreuzes und dieser Stätte:


Wann und warum an dieser Stätte das erste mal ein Kreuz errichtet worden ist, habe ich trotz mancherlei Nachforschungen nicht feststellen können. Nach Aussagen alter Leute im Ort kann man aber feststehend annehmen:


Um das Jahr 1870 stand schon ein Kreuz hier an dieser Stelle.
Das Kreuz stand schon hier, als noch der Büttger Wald bis hier und darüber hinaus auf Büttgen-Vorst zu gestanden hat. Dieser Wald wurde zur Straße Neuß-/Schiefbahn hin teilweise gerodet.
Nach allgemeinem Wissen (besonders wie alte Leute im Ort sagen) stand das Kreuz "schon immer" hier.
Es stand zuerst frei, später wurde es mit Bäumen und Hecken umpflanzt. Etwa 1952 wurde die Hecke vom Turn-Verein "Gut Heil" Büttgen-Vorst entfernt und durch einen Zaun ersetzt.
Das Kreuz wurde vor oder nach dem ersten Weltkrieg vom Schreinermeister Heinrich Kamper aus Schiefbahn erneuert. Es hatte einen kleinen Christus-Corpus aus Metall; ebenso war sein INRI-Schild aus Metall.
Und jetzt im August und September 1956 erneuern wir (d.i. der Turn-Verein "Gut Heil" Büttgen-Vorst bzw. Jägerzug "Heideröschen", ehem. Jägerzug "Alde Köpp") es wieder, weil es ziemlich verwittert ist. Dabei legen wir dieses Schriftstück den nach uns Lebenden als Urkunde bei. Dieses neue Kreuz haben wir durch freiwillige Arbeiten des Turnvereins und durch Spenden errichten können. Es hat einen 90cm großen, geschnitzten Holz-Corpus und ein sog. Materl-Dach. Es wird eingeweiht vom Pfarrer der kath. Kirchengemeinde St. Antonius Büttgen-Vorst, Josef Mennekes. Bei der Neuerrichtung des Kreuzes haben wir keine Urkunde und keine Jahreszahlen, die uns Aufschluß über die früheren Kreuze geben konnten finden können.
Als unser Dorf Büttgen-Vorst gegen Ende des zweiten Weltkrieges am 1. März 1945 von den Amerikanern besetzt wurde, ist hier in der Nähe im Wald ein versprengter deutscher Soldat gefallen. Er hatte, als man ihn fand, - auffälligerweise - keinerlei Erkennungszeichen bei sich. Er war etwa 20 bis 22 Jahre alt. Er wurde hier unter dem Kreuz von den Nachbarn begraben, vom Kreuz aus gesehen links. Sein durchschossener Stahlhelm ziert nach Soldatenart noch heute sein kleines Birkenkreuz auf seinem Grabe. Alle Nachforschungen nach ihm blieben ergebnislos. Sein Grab wurde von den Leuten in der Nachbarschaft dauernd mit rührendem Eifer und liebevoller Sorge gepflegt. Als 1949 dieser Gefallene nach dem Friedhof in Büttgen zu den anderen Soldatengräbern umgebettet werden sollte, widersetzte sich die ganze Bevölkerung, besonders von der Wattmann Straße, empört gegen dieses Ansinnen mit dem Erfolg, dass dieses Soldatengrab unversehrt blieb. Dabei übernahm der Turn-Verein die Pflegschaft über das Grab. Die Nachbarschaft pflegte es ebenfalls weiter, und einzelne Gönner unterstützten uns außerdem. Dadurch, dass das Grab so vorbildlich gepflegt worden war, ist es auch zu einem Schmuckstück für die ganze Gemeinde und für die Umgegend geworden. So war es bis jetzt, besonders in der Kirmeszeit im September; so soll es auch weiterhin bleiben. Pfarrer Mennekes von Büttgen-Vorst segnete es etwa 1949/50 still ein. (Erste, stille Weihe).
Zum Gedächtnis seiner im 2. Weltkrieg gefallenen sieben Mitglieder legte der Turnverein etwa 1950 noch ein zweites, dem Soldatengrab gleiches Grab an, ebenfalls mit kleinem Birkenkreuz und Stahlhelm, vom Kreuz aus gesehen rechts. Es ist aber nur ein leeres Scheingrab.
Möge das Kreuz ein Zeichen der Dankbarkeit sein gegenüber allen unseren Gefallenen - wir haben wohl in fast jeder Familie und Verwandtschaft Gefallene zu beklagen! Möge es ein Zeichen sein für unseren christlichen Glauben, der heutzutage auch hier im Lande im Schwinden begriffen ist! Möge es zum Frieden mahnen in dieser friedlosen Zeit! Möge es uns an die Vergänglichkeit alles Irdischen und an unsere einstige Auferstehung erinnern!

Betet für uns ! !


Die sieben Gefallenen des Turnvereins sind:
Kreuter Christian
Hannen Paul
Hannen Josef (Brüder)
Deußen Hubert
Franken Fritz
Bister Josef
Kannen Hans
Sie fielen im 2.Weltkrieg (1939-1945).


Diese Urkunde schrieb in Büttgen-Vorst im August-September 1956 (zur Zeit des 77. Deutschen Katholikentages in Köln) der Vorsitzende des Turnvereins der jetzige Hauptlehrer der Katholischen Volksschule Büttgen-Vorst Johann Zabrocki aus Berlin.
(Mit Unterschrift:) Johann Zabrocki


1. Nachtrag:
Als die amerikanischen Soldaten noch hier waren, kam ein einzelner Negersoldat an das Grab des unbekannten, deutschen Soldaten und schoss voller Wut hinein. Ein Nachbar, der dies gesehen hatte, brachte es beim Kommandanten in Büttgen zur Anzeige. Man konnte zwar nicht den Täter, wohl aber seine Truppe, die in Schiefbahn lag, ermitteln. Die Truppe musste daraufhin eine Strafmarsch machen und dabei das Grab des unbekannten deutschen Soldaten besuchen. Jeder Soldat musste dem gefallenen seine militärische Ehrenbezeichnung erweisen.
(Mit Zeichen): JZ


2. Nachtrag:
Bei den Vorbereitungsarbeiten zur Feier des 50-jährigen Bestehens des Turn-Vereins "Gut Heil" Büttgen-Vorst am 22. und 23. April 1972 stellte ich fest, dass nicht - wie bisher sowohl in der Urkunde beim Soldatengrab an der Schiefbahner Straße (Wattmann Straße) als auch hier in der Schul-Chronik von Büttgen-Vorst (1956, Seite 29) angegeben - sieben Mitglieder des Turn-Vereins "Gut Heil" Büttgen-Vorst im zweiten Weltkrieg gefallen waren, sondern achtzehn Mitglieder.
Die Namen dieser achtzehn Gefallenen sind:
Kreuter Christian (II)
Hannen Paul
Hannen Josef
Deußen Hubert
Franken Fritz
Bister Josef
Junkers Heinrich
Müllers Josef
Schlechtriem Matthias
Hannen Heinrich
Hambloch Willi
Kreuter Johann (II)
Klother Peter
Kammann Adam
Ackers Josef.


Dieser vorstehende Nachtrag ist nur hier in der Schul-Chronik von Büttgen-Vorst und nicht in der Urkunde beim Soldatengrab an der Schiefbahner Straße angegeben.
Büttgen-Vorst, 10. Mai 1972 gez. Johann Zabrocki